Heidelberg-Schlierbach - Gutleuthofkapelle (2022)

Gesamtrenovation mit liturgischer Neuausstattung

 
Die gotische Kapelle wurde 1430 für das Siechenhaus für Aussätzige (Gutleuthaus) gestiftet und diente später der Schlierbacher Bevölkerung als Kirchenraum und Friedhofskapelle. Die Kapelle überdauerte sowohl den Bau der Neckartalbahn 1861 als auch den Abbrand des verbundenen Gutleuthauses im Jahr 1880.
Heute sind lediglich an der Westfassade der Kapelle noch Spuren der ehemaligen Bebauung zu erkennen.
Vor der Sanierung im Jahr 2022/2023 waren einige Schäden im Außenbereich sowie im Innenraum an der Kapelle sichtbar, die eine umfassende Renovierung erforderlich machten.
Da die Kapelle unter Denkmalschutz steht wurde die Restaurierungsmaßnahme auch vom Landesdenkmalamt für Denkmalpflege begleitet.
 
Außenrenovierung
Die vorhandene Dacheindeckung (von 1950) wies Undichtigkeiten, sowie eine Lattungsebene mit sehr großen Abständen und teilweise bereits gebrochenen Latten auf. Die Dachhaut wurde durch eine Dacheindeckung aus Biberschwanzziegeln und einer enger gesetzten Lattungsebene erneuert. Um eine saubere Überdeckung der Ziegel im Bereich des Spitzhalbkegels über dem Chorbereich zu erzielen, wurden in diesem Bereich Turm-Biberschwanzziegel eingesetzt.
Die durch Holzfraß geschädigten Deckenbalken im Dachraum wurden gegen einen weiteren Insektenbefall behandelt, die geschwächten Holzbalken durch Beihölzer verstärkt.
Der Sockelputz der Außenfassade förderte Salzausblühungen im Innenbereich und wurde daher gegen einen geeigneten Feuchteregulierungs-Putz ausgetauscht, der den Feuchtetransport nach außen unterstützt.
Die Außenfassade wurde anschließend gereinigt und neu gefasst. Die vorhandenen Traufbretter wurden ausgetauscht und farblich überarbeitet.
 
Innenrenovierung
Die Wandflächen des Kapellenraums wurden sanft gereinigt und anschließend neu gefasst. Die durch Salzausblühungen geschädigten Putzflächen im Sockelbereich wurden durch einen Kalkputz ersetzt.
Die Restauratorin reinigte anschließend die Wandmalereien, festigte lose Putzflächen und schloss Risse. Die Reinigung brachte einige Details der Wandmalereien wieder zum Vorschein und intensivierte die Farben. Zum Abschluss wurden farbliche Fehlstellen wiederhergestellt und brachten die Malereien wieder zum Glänzen.
Die Innenausstattung der Gutleuthofkapelle aus den 50ern war der Kirchengemeinde zu starr und wurde daher gemeinsam mit den liturgischen Elementen komplett neugestaltet.
Ein Holz-Podest aus Eichendielen bildet die Basis für eine Sitzbank, wie auch die liturgische Ausstattung und bindet diese optisch zusammen. Diese Plattform verstärkt als erlebbare gemeinsame Basis das Gemeinschaftsgefühl in den Gottesdiensten, sorgt aber als Gestühlsboden auch ganz klassisch für eine wahrgenommen wärmere Oberfläche als der kalte Steinboden.
Vom ursprünglichen, gemauerten Wandaltar wurde die Mensa aus Sandstein übernommen und auf einen freistehenden hölzernen Altarunterbau gesetzt. Gegenüber dem Altar wurde ein mobiler Ambo geschaffen. Um die zweipolige Anordnung herum ersetzt eine umlaufende halbrunde Holzbank die alten Bänke und lässt den Raum der Kapelle frei für die sehr variable Nutzung in Form von Gottesdiensten, Taizé-Gebeten oder auch Meditationen.