Mannheim - Spitalkirche (2010)

Erbaut 1786 - 1788

Außen- und Innenrenovation mit liturgischer Umgestaltung und Umfassender energetischer Sanierung    2010 - 2012

Energetisches Konzept:
Prof. Günter Pfeifer, Darmstadt in Zusammenarbeit mit Balck u. Partner, Heidelberg

Die Spitalkirche wurde ab 1786 nach Plänen von Johann Faxlunger durch Peter Anton Verschaffelt erbaut. Die Kriegszerstörungen von 1943 wurden in den 50er Jahren beseitigt und der Kirchenraum der Polnischen Mission für muttersprachliche Gottesdienste überlassen.
Zum Katholikentag 2012 in Mannheim wurde die Spitalkirche komplett innen und außen renoviert. Die historische Raumschale konnte in weiten Teilen wieder hergestellt werden, eine indirekte Beleuchtung sorgt für eine gleichmäßige, blendfreie Lichtverteilung. Eine zeitgenössische Altarraumgestaltung konnte mit eingefärbten Betonelementen realisiert werden.

Technisches Konzept für Keizung und Lüftung
Zur Minderung des Wärmeenergiebedarfs der Kirche wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Die Decke über dem Kirchenraum war bisher nur mit einem aufgespritzten Kunststoffschaum gedämmt. Im Laufe der Renovierung wurde die Decke zusätzlich mit 10 cm Dämmung versehen. Dies bringt eine Minderung des Energiebedarfs um 7,5 %.
- Die Kirchenfenster waren einfach verglast mit Stahlrahmen.

Auf der Innenseite wurden durch eine 2. Glasebene Kastenfenster hergestellt. Damit werden die Wärmeverluste gemindert und der Fensterzwischenraum als Kollektor genutzt. Ist die Luft im Fensterzwischenraum wärmer als im Raum, öffnen Folienklappen und die Wärme strömt in den Kirchenraum. Durch die höhere Oberflächentemperatur der inneren Scheiben wird die Strahlungskälte reduziert und die Abkühlung der Luft an der Oberfläche und somit der Kaltluftabfall vor der Außenwand gemindert.  Der Wärmeenergieverbrauch verringert sich um 14,4 %.

Die Versorgung der Kirche mit Wärmeenergie erfolgt mit zwei Systemen:
- Auf dem Dach wurden die vorhandenen Dachgauben mit einem transparenten Aufsatz versehen, so dass der Raum zwischen Dachfläche und Polycarbonataufsatz als Luftkollektor wirkt. Bei Sonneneinstrahlung (direkt oder diffus) wärmt sich der Luftkollektor auf. Wenn die Kirche 10k kälter ist als die Kollektorluft wird die warme Luft aus dem Kollektor gesaugt und unter die Bänke der Besucher transportiert. So wird der Boden unter den Bänken erwärmt und die Warmluft in die Gänge geblasen. Damit wird unabhängig von der Nutzung Wärme in den Kirchenraum transportiert und in der großen Masse des Gebäudes gespeichert. Es wird ca. 28,3 % der notwendigen Wärmeenergie aus der solaren Wärmeenergie zur Beheizung gewonnen.
- Wenn nicht ausreichend Energie aus den Luftkollektoren zur Verfügung steht, wird die Kirche zusätzlich temperiert. Dazu  wurde unter den Bänken, im Altar- und Chorbereich eine Fußbodenheizung installiert.
- In der Sakristei und Nebensakristei wurde jeweils ein Heizkörper installiert.
- die Versorgung mit Fernwärme erfolgt aus dem Netz der Stadtwerke Mannheim (MVV). Für die Fußbodenheizung werden nur niedrige Heizmediumstemperaturen benötigt. Deshalb wurde die Fernwärmeübergabestation an den Rücklauf der Fernwärme angeschlossen. Aus dem Rücklauf der MVV wird Heizungswasser mit max. 60°C bezogen. Diese ist für MVV nicht nutzbar und deshalb kostengünstiger.
Durch die beschriebenen Maßnahmen wird die bezogene Wärmeenergie um 55,2% gemindert. Der durch die Beheizung verursachte CO 2-Ausstoß wird von 5 t/a auf 0,27 t/a reduziert. Die Energiekosten von 12.000 €/a auf 2000 €/a reduziert.
Durch die Zusammenarbeit von Architektur, Denkmalschutz und Technik wurde ein kybernetisches Modell entwickelt und mittels einer thermodynamischen Simulation berechnet.

Auszeichnungen

2014 - Auszeichnung GUTER BAUTEN - Hugo-Häring-Preis
2012 - Umweltpreis der Erzdiözese Freiburg

Auszug aus dem Heft:  (Download unten)

Deutsche Bauzeichnung - db - Metamorphose 04.2015

Titelthema: Sakralraum neu gedacht
Himmlische Wärme: Seiten 86 - 89

DENMALPFLEGE UND ERNEUERBARE ENERGIEN
des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
Seiten 40 - 42
Abbildungsnachweis: 
Pfeifer und Kuhn, Architekturbüro
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