Chorraum mit Taufort und Tabernakelstele, 2012
Karlsruhe, St. Stephan
Umgestaltung der Pfarrkirche St. Stephan, Karlsruhe
Aktualisierung einer Raumgestalt der 50er-Jahre
Wie die meisten Innenstadtkirchen Karlsruhes wurde auch die von Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil 1808-14 errichtete katholische Stadtkirche St. Stephan im II. Weltkrieg stark zerstört. Durch den Wiederaufbau nach Plänen des Erzbischöflichen Baurates Hans Rolli erhielt der Kirchenbau insbesondere im Innern ein völlig neues, zeitgemäßes Gesicht, das sich jeder historisierenden Tendenz entzog. Vor allem die aufsehenerregende Stahlbeton-Kuppelkonstruktion bestimmt seither den Raumeindruck und stellt eine wesentliche Neuinterpretation des mit Bezug auf das römische Pantheon errichteten Bauwerks dar. Aber auch die von Weinbrenner grundgelegte Überlagerung von Zentralraum und kreuzförmigem Grundriss wurde beim Wiederaufbau neu akzentuiert.
Diesen Innenraum galt es angesichts der mittlerweile eingetretenen starken Verschmutzung der Raumschale und vieler technischer Unzulänglichkeiten zu sanieren, in seinen architektonischen Qualitäten zu erhalten und unter liturgischen Gesichtspunkten neu zu gestalten.
Bau- und Ausstattungsgeschichte bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg
Eine einordnende und zusammenfassende Charakterisierung gibt der für den Wiederaufbau verantwortliche Architekt und spätere Erzbischöfliche Baudirektor Hans Rolli: „Der Bau hat bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg manche widrigen Schicksale und nie seine geplante Idealgestalt erlebt. Beim Wiederaufbau (1948-61) wurde versucht, mit den Mitteln unserer Zeit, den ursprünglichen Zentralraumgedanken Weinbrenners in klaren und überschaubaren Formen wieder fassbar zu machen.“
Als Idealgestalt mag dabei eine in Grundriss, Schnitt und Innenraumperspektive überlieferte Planung Weinbrenners gelten, die aufgrund diverser Einflussfaktoren seinerzeit – zum Leidwesen des Architekten – nur mit erheblichen Veränderungen realisiert werden konnte. So musste im nördlichen – dem Hauptportal gegenüberliegenden – Kreuzarm die Silbermann-Orgel des säkularisierten Klosters St. Blasien Aufstellung finden, während im westlichen und östlichen Kreuzarm – entgegen der ursprünglichen Konzeption – Hoflogen eingerichtet wurden.
Ausführlich dokumentiert findet sich die Baugeschichte der Kirche bei Fritz Hirsch, wobei sich herausstellt, dass bezüglich der Frage des Altarstandortes und damit der grundsätzlichen liturgischen Disposition schon in der Bauzeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschiedene Standpunkte vertreten wurden, darunter auch „die Stelle des hohen Altars in der Mitte des Tempels“. Dass „der Hochaltar in der Mitte der Kirche errichtet wird“, war 1812 gar Beschlusslage, die am 07.04.1813 nochmals revidiert und schließlich festgelegt wurde: „der in die Mitte der Kirche bestimmte Altar wird etwas weiter zurück gegen die Orgel versetzt“. Über den genauen Standort jenes ersten Hauptaltares zwischen der geometrischen Mitte des Zentralraumes und der den nördlichen Kreuzarm ausfüllenden Orgelempore kann mangels fehlender Dokumente allerdings nur spekuliert werden.
Ein Blick auf die Kirchengeschichte der Zeit und die Positionen aufgeklärter, überregional rezipierter Theologen wie des letzten Generalvikars des Bistums Konstanz Ignaz Heinrich Carl von Wessenberg oder des Pastoraltheologen und späteren Generalvikars und Bischofs von Regensburg Johann Michael Sailer zeigt, dass sich hier Auffassungen dokumentieren, die erst mit dem 2. Vatikanischen Konzil allgemeine Gültigkeit bekamen.
Von Weinbrenner selbst ist ein Schreiben vom 20. August 1817 an das Ministerium des Innern überliefert, in dem er u.a. die „ungeschickliche Stellung des Hochaltares mit der Orgel“ monierte und sich darüber beklagte, dass man „beinahe Jeden in meine artistischen Anordnungen einspringen ließ“.
Zur Errichtung eines Hochaltars nach Plänen des Karlsruher Architekten Karl Joseph Berckmüller (1800-1879) mit dem – heute an der Südwand des westlichen Kreuzarms hängenden – Altarbild von Marie Ellenrieder kam es dann 1831, 5 Jahre nach dem Tod Weinbrenners.
Über die weitere Baugeschichte von St. Stephan schreibt Arthur Valdenaire 1926: „Es gibt kein Weinbrenner’sches Bauwerk, das in seiner Anlage konstruktiv und künstlerisch genialer von seinem Erbauer erdacht war, als die Stephanskirche, aber auch keines, das in neuerer Zeit durch Ungemach mehr verdorben worden wäre, mit einem Aufwand, der in umgekehrtem Verhältnis zur stilvollen einfachen Schönheit des Bauwerks steht.“ Eine Aussage, die sich wohl in erster Linie auf die vom fürstlich fürstenbergischen Hofbaumeister Adalbert Kerler verantworteten Veränderungen der Jahre 1880-1883 bezieht. Im Zuge dieser Baumaßnahme wurden insbesondere die Säulen und die Empore im südlichen Haupteingangskreuzarm abgerissen und eine niedrigere Orgelempore an dieser Stelle errichtet, um die Silbermann-Orgel hierher zu transferieren und den Altarstandort vom Rand des Zentralraums in den nördlichen Kreuzarm zu verlagern und hier einen neuen Hochaltar unter Verwendung des Ellenrieder-Gemäldes zu errichten. Außerdem wurden die Tonnengewölbe des östlichen und westlichen Kreuzarms zum Zentralraum hin geschlossen und die Kuppel kassettiert.
Hinzuweisen ist auf den Umstand, dass nach dieser Maßnahme vor den Stufen des Altarraumes ein nicht bestuhlter freier Raum bis ins Zentrum der Kirche beibehalten wurde, den man heute als offenen liturgischen Handlungsraum bezeichnen würde.
Im Juli und im September 1944 wurde die Kirche wie die gesamte Karlsruher Innenstadt durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Außenmauern nahezu völlig zerstört.
Wiederaufbau nach der Zerstörung des 2. Weltkriegs
Die Wiederherstellung des Äußeren unter der Leitung Hans Rollis war bereits 1950 im Wesentlichen abgeschlossen. Dabei trat an die Stelle der ursprünglich hölzernen Kuppelkonstruktion eine der historischen äußeren Kuppelform folgende Schale aus Stahlbetonfertigteilen, die so bemessen wurde, dass sie eine abgehängte Rappitz-Kuppel zur Nachbildung der bauzeitlichen halbkugelförmigen inneren Raumschale hätte tragen können.
Die Frage, in wieweit in der Innenraumgestaltung eine Anlehnung an den historischen Zustand gesucht oder eine Neuinterpretation gewagt werden sollte, wurde in einer Sitzung am 10. Oktober 1950 erörtert, an der als Berater u.a. die Professoren Otto Ernst Schweizer und Otto Bartning teilnahmen. Eine historisierende Wiederherstellung des Vorkriegszustandes stand offenbar nicht mehr zu Diskussion, wohl aber die Frage, ob die drei Eingangskreuzarme vom Zentralraum wieder mittels Stützenpaaren abgegrenzt und hier Emporen eingebaut werden sollten. Die Entscheidung fiel zugunsten des offenen Raumes mit einer in den südlichen Kreuzarm einzufügenden Orgelempore. Der freistehende Altar, auf dem – wie damals üblich – zunächst noch der Tabernakel seinen Ort hatte, fand seine Aufstellung in dem um vier Stufen erhöhten Chorraum über der unzerstörten Krypta auf einem dreistufigen Podest.
Ob der Erzbischöfliche Baurat Hans Rolli eine Stellung des Altars im Zentralraum in Erwägung gezogen hat, muss offen bleiben. Die Bauakten dokumentieren eine Rundfahrt zu verschiedenen seinerzeit wiederaufgebauten bzw. im Wiederaufbau befindlichen Kirchen, die er mit Vertretern der Kirchengemeinde St. Stephan – insbesondere mit Herrn Stadtpfarrer Prälat Dr. Rüde – sowie mit dem mit der Bauleitung betrauten und später durch eigene Kirchenbauten bekannt gewordenen Architekten Wer-ner Groh Ende November 1951 unternahm. Dabei stand insbesondere auch der Besuch in der Liebfrauen-Kirche in Trier, einem aufgrund einer Wettbewerbsentscheidung von dem Architekten Rudolf Schwarz wiederhergestellten und liturgisch damals mit einer ins geometrische Zentrum vorstoßenden Choranlage neukonzipierten gotischen Zentralbau, auf dem Programm. Hier realisierte Schwarz eine Disposition in Form des von ihm so genannten „offenen Ringes“. Weitere Stationen waren die Dome zu Aachen und Frankfurt sowie die St. Ludwigs-Kirche in Darmstadt.
Wenngleich Prälat Dr. Rüde z.B. in der Besprechung am 10.10.1950 eine Sammlung der Gemeinde um den Altar als Ideal formuliert hatte, dürfte eine Anordnung des Altars im Zentralraum insbesondere deshalb nicht realisierbar gewesen sein, weil hierzu im Erzbistum Freiburg die notwendige kirchenaufsichtliche Genehmigung versagt worden wäre. Hugo Schnell schreibt 1973 zum Kirchenbau in der Erzdiözese nach dem 2. Weltkrieg: „Unter den Wiederherstellungen alter Bauten (z.B. die Hofkirche im Bruchsaler Schloss, die Jesuitenkirche in Mannheim) steht die klassizistische St.-Stephans-Kirche in Karlsruhe an erster Stelle.“ Weiter heißt es, auf die gesamte Kirchenbautätigkeit in der Erzdiözese bezogen, kritisch: „in jahrelangem Ringen wurden wenige liturgische Neuerungen bewilligt, für die vor allem Werner Groh eintrat, bis auch hier 1954/55 der zäh verteidigte eigene Chorraum in das Hallenschiff hinein genommen wurde.“
So wurde auch in St. Stephan die Vorkriegsdisposition mit ausgeschiedenem Chorraum im nördlichen Kreuzarm beibehalten, vor dem sich – getrennt durch eine in ihrer Materialität auf den Altar bezugnehmende massive Kommunionbank – die Gemeinde im Zentralraum unter der Kuppel sowie in den drei Eingangskreuzarmen versammelte. Diese Anordnung hatte – von marginalen Veränderungen abgesehen – über 50 Jahre Bestand, obwohl erste Überlegungen zu einer Überarbeitung der Chorraumanlage mit Blick auf die nach dem 2. Vatikanischen Konzil erneuerte Liturgie noch von Hans Rolli aus dem Jahr 1970 dokumentiert sind.
Sanierung und liturgische Neugestaltung 2011
Nach Abschluss der auf Grund des desolaten Bauzustands am Ende der 90er Jahre dringend erforderlichen Außensanierung der Kirche bildeten im Jahre 2006 teils sicherheitsrelevante technische Mängel sowie der Verschmutzungszustand der Raumschale die konkreten Auslöser, das mehrfach verschobene Projekt einer Innensanierung mit liturgischer Umgestaltung anzugehen.
Es folgte ein mehrjähriger Planungsprozess, der von einer interessierten Karlsruher Öffentlichkeit kritisch begleitet wurde. „Treffen, Feiern, Innehalten.“ lautete das Motto, mit dem die Kirchengemeinde diesen Prozess überschrieb und das Ziel formulierte, mit dem das Vokabular dieses Ortes fortgeschrieben und die Sprache dieses Raumes weiterentwickelt werden sollten. Den Gremien der Gemeinde stand dabei das Erzbischöfliche Bauamt Heidelberg beratend und planend zur Seite.
Anforderungen an den Kirchenbau von St. Stephan wurden nicht nur an diesen als Pfarrkirche, sondern ebenso als City-Kirche und als geistiges Zentrum des Großstadtdekanats Karlsruhe gestellt. Im Einzelnen ging es dabei um die Gestaltung der liturgischen Handlungsräume, insbesondere den „Altarraum“ mit Altar, Ambo und Sedilium, um den Ort der Taufe und seine Situierung im Bezug zur Gemeinde, um die Beichtorte sowie um den „Gemeinderaum“. Zudem brauchte es neben der baulichen und künstlerischen Gestaltung eine entsprechende technische Ausrüstung, in deren Zentrum die Beleuchtung und die Elektroakustik standen, ebenso wie die Temperierung und Klimatisierung sowie dieder Raumakustik. Zum Beispiel stellte die Entwicklung eines faltbaren und damit nur temporär im Raum präsenten Schallreflektionssegels für konzertante Aufführungen im Chorraum eine in architektonsicher und technischer Beziehung besondere Herausforderung dar.
Dass es sich bei dem Kirchenraum um einen Einheitsraum mit großer Übersichtlichkeit handelt, der sich gemäß den ästhetischen Prinzipien des Wiederaufbaus durch Klarheit und Einfachheit auszeichnet, hatte zur Folge, dass selbst kleine Eingriffe oder auch nur Zutaten eine sensible Gestaltung und ein einheitliches formales Konzept erforderten. Gleichzeitig waren die vorhandenen, teils bedeutenden Ausstattungsstücke, die Gobelins von Emil Wachter, der Tabernakel von Herbert Kämper sowie die Kreuzwegbilder und eine beachtenswerte Marienstatue von Emil Sutor einzubeziehen. Hinsichtlich des Umgangs mit der Raumschale, erforderten die Arbeiten von Paul Meyer-Speer, die außergewöhnlich fein abgestuften farblichen Fassungen der Tonnengewölbe in den Kreuzarmen sowie jene an den Rippen und Flächen der Stahlbeton Kuppel – eine besondere Sorgfalt.
Die Analyse der oben skizzierten Planungs- und Baugeschichte der Kirche sowie der aktuellen liturgischen Erfordernisse zeigte, dass es keine Lösung der Planungsaufgabe im Sinne eines direkten Rückgriffs auf historische Bauzustände geben konnte. Gleichwohl ließ sich darin eine grundsätzlich Offenheit des starken Raumes für eine Bandbreite von Lösungsansätzen erkennen, in denen sich die liturgischen Handlungsschwerpunkte zwischen der Mitte des Zentralraumes und dem Chorraum im nördlichen Kreuzarm befinden.
Die im Gesamtkonzept des Erzbischöflichen Bauamts vorgeschlagene und von der Pfarrgemeinde bevorzugte, sowie von der Baukommission der Erzdiözese befürwortete Exzentrizität der liturgischen Disposition suchte eine Konzentration auf den Zentralraum, die sowohl auf den Weinbrenner´schen Idealentwurf Bezug nimmt, wie den Rolli´schen Wiederaubau neu interpretiert. Dass dabei eine Positionierung des liturgischen Handlungszentrums der Eucharistiefeier außerhalb der geometrischen Mitte, die in den 50er Jahren mit einer Bodenintarsie der Heiligsten Dreifaltigkeit markiert worden war, ist einerseits darin begründet, dass die so freigehaltene,se offene Mitte einer langen kirchenbaulichen Tradition entspricht, andererseits dadurch, dass der Raum sowohl bezüglich der Eingangssituationen, wie auch durch die Orgelempore und den über der Krypta liegenden erhöhten Chorraum sowie hinsichtlich der natürlichen Belichtung (bedingt durch den stärkeren Lichteinfall aus dem südlichen Himmelsbereich) Asymmetrien aufweist, denen eine zentrale Positionierung nicht gerecht geworden wäre.
Vor dem Hintergrund der liturgieräumlichen Diskussionen der vergangenen Jahrzehnte in der Folge der Communio-Theologie des 2. Vatikanischen Konzils wurde die von Rudolf Schwarz entwickelte Form des „offenen Ringes“ in einer Weise ausformuliert, deren auffälligste Merkmale der frei im Raum liegende runde liturgische Bereich und das um diesen herum sich in einem Winkel von ca. 270° entwickelnde neue Gestühl sind. Das hier zugrundeliegende Ideal der Circumstantes geht in der Moderne bereits auf die von Romano Guardini inspirierte Liturgische Bewegung des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts zurück.
Der Bildhauer Rolf Bodenseh, der als Sieger aus der Preisgerichtssitzung am 31.03.2010 unter dem Vorsitz von Prof. Werner Pokorny hervorging, hat – diese Vorgaben interpretierend – Altar, Ambo und Priestersitz auf eine „Insel des Lichts“ – wie er sie in seinem Wettbewerbsentwurf nannte – gestellt. Der helle kristalline Astir-Marmor reflektiert das insbesondere von oben her einstrahlende Licht, setzt den gewünschten Schwerpunkt und integriert sich gleichzeitig durch subtile Farbreflektionen in den Raum, mit seinen gedeckten Materialtönen. Die formale Stärke der Prinzipalien erreicht er und die Integration in den Raum sowie die Gesamtdisposition gelingen ihm dabei auch dadurch, dass er den zentralen Ausstattungsstücken, Altar, Ambo und Sedilium, grundrisslich Kreissegmente mit Bezügen auf verschiedene Raumpunkte zugrunde legt.
Der bisherige, im Zuge der Umbaumaßnahmen in seiner Ausdehnung auf den Weinbrenner´schen Idealentwurf zurückgeführte Altarraum ist zum Chorraum im eigentlichen Sinn sowie – mit dem hier zur Verfügung stehenden Schallreflektionssegel – zum Ort konzertanter Aufführungen geworden. In erster Linie ist er aber Tabernakel-Kapelle und Ort des Taufsakraments. Die Weihwasserstelen als Tauferinnerungsorte in der Mitte der übrigen Kreuzarme weisen die von hier Eintretenden auf den Taufbrunnen im Chorraum hin und verdeutlichen allein in ihrer Materialität den Bezug zum liturgischen Zentrum mit dem dominanten Altar.
Die konzentrische Anordnung der Kirchenbänke im Zentralraum fördert in besonderem Maße die Ausrichtung der gottesdienstlichen Versammlung auf den Altar. Nur im Bedarfsfall – für Gottesdienste an hohen Feiertagen sowie bei Konzerten – werden die ansonsten freigehaltenen Kreuzarme zusätzlich bestuhlt.
Tages- und jahreszeitlich sowie wetterbedingt unterschiedlicher Lichteinfall – insbesondere durch das zentrale Opaion – bewirkt ein breites Spektrum lebendiger Lichtspiele und differierender Stimmungen im Kirchenraum. Das von dem Karlsruher Lichtplanungsbüro LUNALICHT, Herrn Matthias Friedrich, entwickelte Lichtkonzept überzeugte dadurch, dass er – dem überwiegend durch das Oberlicht einfallenden Tageslicht korrespondierend – am Opaion einen Lichtring vorschlug, der mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet eine gestalterisch überzeugende wie auch unter energetischen Gesichtspunkten optimierte Beleuchtung ermöglicht. Dieses technisch innovative Hauptelement wird ergänzt durch indirekte Beleuchtungen der gereinigten Kuppelschale und der Tonnengewölbe, sowie durch einzelne Strahler für spezielle Beleuchtungsaufgaben. Ausgezeichnet wurde der Lichtplaner dafür mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2013 in der Sparte „Kulturbauten“.
Am Stephanstag 2011 wurde von Erzbischof Robert Zollitsch die Altarweihe vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte dem Raum noch die Orgel, die zu Beginn der Maßnahme ausgebaut worden war, um saniert und erweitert zu werden. Das Instrument war 1959 das erste größere Werk der Bonner Orgelbaufirma Klais mit mechanischer Traktur, an dem 1973 und 1988 einige Veränderungen vorgenommen wurden, die sich aus heutiger Sicht als nachteilig erwiesen. Künstlerisch überzeugen konnte das so veränderte Instrument nie, denn es verlangte beim Orgelspiel immer wieder zahlreiche Kompromisse ab. Nach 50 Jahren intensiver Nutzung stand eine grundlegende Erneuerung an mit dem Ziel, die Qualitäten des alten Instruments zu erhalten und in ein neues, ausgereiftes Konzept zu integrieren. Während fast das gesamte Pfeifenmaterial der alten Orgel überarbeitet und neu intoniert wiederverwendet werden konnte, wurde die Technik – Windladen, Windversorgung, Elektrik, Trakturen und Spieltisch – unter Beibehaltung des Gehäuses aus den 50er Jahren – komplett erneuert und es wurde der rein mechanischen Orgel ein neues „Auxiliar“ (eine Art Registerfundus) angefügt, dessen Pfeifen dank elektrischer Einzeltonsteuerung sowohl auf allen vier Manualen als auch im Pedal gespielt werden können. Das Instrument mit nun insgesamt 74 Registern konnte am 28. September 2012 geweiht werden. Damit fand die Umgestaltung und Renovierung von St. Stephan ihren endgültigen Abschluss.
Bauherr: Katholische Kirchengemeinde St. Stephan, Karlsruhe
Architektur: Erzbischöfliches Bauamt Heidelberg
Bernhard Nicola, Fritz Kessler,
Dr. Werner Wolf-Holzäpfel
Künstlerische Gestaltung: Rolf Bodenseh, Aichtal
Lichtplanung: LUNALICHT, Karlsruhe
Raum- und Elektroakustik: Graner + Partner Ingenieure GmbH, Bergisch Gladbach
